Und alles nur wegen eines blöden Videos… (Schon klar, das Video alleine hat das Kraut auch nicht fett gemacht, aber es war der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass (wieder einmal) zum Überlaufen gebracht hat.)

In vielen arabischen Ländern spielen sich derzeit Szenen der Gewalt und des Hasses ab, bei denen man aus dem Kopfschütteln nicht herauskommt. Botschaften werden gestürmt, Diplomaten ermordet, Flaggen verbrannt und Hassparolen gebrüllt. Und der Grund dafür ist ein grottenschlechtes, geschmackloses, lächerliches Schmäh-Video, das bis zum Himmel nach hirnlosem Unruhestiftertum aus Langeweile stinkt. Das, was an dieser soundso schon traurigen Geschichte so richtig zum Heulen ist, ist die Tatsache, dass wir in punkto Religionskonflikten so weit gekommen sind, dass solch ein nicht ernstzunehmendes Video jene Eskalationen verursachen kann.
In Berlin will jetzt die rechte Gruppierung Pro Deutschland das umstrittene Video in einer öffentlichen Vorstellung zeigen.

Nach dem, was ich gesehen habe, ist der Film eine geschmacklose Dämlichkeit, aber ohne strafbaren Inhalt.
-Volker Beck,
Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen in Deutschland
Quelle: Die Zeit Online, „Opposition stemmt sich gegen ein Verbot des Anti-Islam-Films“ , 17.09.2012

Ich bin keine Expertin in Rechtsfragen, aber ich schätze Volker Beck hat recht. Doch selbst wenn das Video nicht gegen das Gesetz verstößt, ist es ethisch mehr als verwerflich.
Wenke Husmann, Redakteurin des Ressorts Kultur in Onlineredektion von Die Zeit schreibt Folgendes:

Gefährdet dieses Video bei uns also tatsächlich den öffentlichen Frieden? Man kann es sich ausmalen: Da müssen dann für eine Aufführung, die Pro Deutschland in irgendeinem Saal mit 150 Plätzen organisiert hat, 500 Polizeibeamte anrücken, um die paar Besucher und die 2.000 Demonstranten voneinander zu trennen und den Hundertschaften von Journalisten und Kamerateams ihre Arbeit zu ermöglichen. Was für ein Auflauf und was für ein Aufwand! Sicher. Doch das war’s dann auch schon. Fast könnte man sich freuen, dass wir unser Recht auf Meinungsfreiheit so billig haben können. Denn erstrebenswert bleibt in erster Linie eine Gesellschaft, in der jeder einzelne mündig behandelt wird und sich anschauen kann, was er will, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können. Das bedeutet auch, mit Dingen leben zu müssen, die nichts weiter sind als eine Provokation.
Quelle: Die Zeit Online,
„Der Mohammed-Film ist eine Provokation, mehr nicht“, 17.09.2012

Dass das „Mohammed-Video“ eine niveaulose Provokation ist, ist meines Erachtens nach keine großartige Enthüllung. Was mich allerdings verwundert, ist die Aussage, dass durch das Zeigen des Filmes nicht mehr riskiert würde, als ein Riesenaufwand bei der Vorführung selbst. Im Rest des Artikels erkennt die gute Dame ganz richtig, dass mit diesem Film sowohl Islamophoben, als auch Islamisten mehr als ein Grund auf dem Silbertablett serviert wird, aktiv zu werden. Islamisten haben den Anlass für ihre Aktionen dann genau so billig bekommen, wie Pro Deutschland ihre Meinungsfreiheit.
Das Video mag zwar eine lächerliche und unseriöse Provokation sein, doch wer provoziert werden WILL, benötigt dazu keine oscarreife Mohammed-Parodie.
Manfred Rouhs, el jefe von Pro Deutschland, beruft sich im SPIEGEL-Interview auf die Kunst- und Meinungsfreiheit, um die es ihm bei der Vorführung des Videos gehe. [Quelle: Die Zeit Online, „Pro Deutschland will Mohammed-Film in Berlin zeigen“, 17.09.2012]
Das eeewige Kreuz mit der Kunst. Für manche sind bunte Striche auf weißem Grund Kunst (Sowas haben wir in der Küche hängen. Meine Schwester hat’s mit drei Jahren fabriziert.), für andere mehr die Sixtinische Kapelle. So frei der Begriff Kunst auch definiert werden kann, verstehe ich beim besten Willen nicht, was an diesem Film künstlerisch sein soll. Meiner Meinung nach einfach nur leeres Gelaber, diese Rechtfertigung. Aber bitte, an diesem Punkt ist noch Diskussionspotenzial vorhanden. Da Pro Deutschland jedoch Absichten hatte Terry Jones, jenen anti-islamistischen amerikanischen Prediger, der für den 11. September 2010 eine Koranverbrennung plante, nach Deutschland einzuladen, ist Rouhs‘ Erklärung seiner Absichten hinfällig. Eine solche Einladung hat nichts mehr mit Meinungsfreiheit und dem Recht eines jeden Menschen auf seine eigene Auffassung des Begriffes Kunst zu tun.
Ich denke bewundernd an das vorbildliche Verhalten der ägyptischen Bevölkerung während ihrer Proteste im Zuge des Arabischen Frühlings zurück. Friedlich, aber bestimmt. So sollte man sich verhalten, wenn man ernst genommen werden will. Natürlich ist das eine Art utopische Vorstellung, obwohl ich sie nun nicht mehr für ganz so unrealistisch halte. Die Al-Quaida reibt sich die Hände – sie haben dieses Mal nicht einmal einen kleinen Finger rühren müssen, um den radikalen Teil der islamischen Glaubensgemeinschaft gegen den Westen aufzuhetzen. Jetzt werfen sie nur noch kleine Appetizer in Form von Mordaufrufen gegen Diplomaten in die nach Rache dürstende Menge, um das Desaster zu komplettieren.
Scheich Abdulasis bin Abdullah al-Scheich, der Vorsitzende des Obersten Rates der Religionsgelehrten und Groß-Mufti von Saudi-Arabien, hat vollkommen Recht wenn er sagt, die Anhänger des Islams „dürften sich nicht aus Wut dazu verleiten lassen, unschuldige Menschen zu töten und öffentliche Einrichtungen anzugreifen“, denn, „wer seinem Zorn nachgebe, mache sich letztlich nur zum Erfüllungsgehilfen der Urheber des Mohammed-Films.“ [Quelle: Die Zeit Online, „Innenministerium verhängt Einreiseverbot für US-Prediger“, 17.09.2012] Gut gebrüllt, Löwe!

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2 Kommentare zu “Und alles nur wegen eines blöden Videos… (Schon klar, das Video alleine hat das Kraut auch nicht fett gemacht, aber es war der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass (wieder einmal) zum Überlaufen gebracht hat.)

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