Pias Römische Reise

Als ich gestern voll freudiger Erwartung den Käse mit der italienischen Nummer endlich hinter mich zu bringen um 13:30 Uhr die Viale Eritrea entlangspazierte – in meinem Kopf lief „Vodafone-Shop Nummer 85C“ in Endlosschleife – rannte ich erst einmal erfolgreich daran vorbei. „Hoppla, bin ja schon bei 81“, denk ich mir, „also hallo wie blind geht’s denn?“ Ich bin erfreut euch mitteilen zu können, dass es nicht wirklich an mir lag, dass ich am Geschäftslokal vorbeigerannt bin. Ich habe mich nur noch nicht ganz daran gewöhnt, dass einige Geschäfte, insbesondere kleine Privatgeschäfte, unter der Woche immer von 13-16 Uhr Mittagspause machen. So war also vor dem Shop ein Wellblechdingsdi heruntergelassen. Um ganz ehrlich zu sein, selbst WENN ich daran gedacht hätte, dass diese Mittagspause existiert, hätte ich nicht erwartet, dass Vodafone da mitmacht. Normalerweise haben Ketten nämlich ganztags offen.
Naguat, des woas oiso ned so ganz. War zwar zuerst bisschen ärgerlich, aber im Endeffekt hat das mit der italienischen Nummer auch nicht so wahnsinnig gedrängt.
So habe ich mich also, mit Kamera, Stadtplan, Stift und Notizblock einsatzbereit, auf den Weg in Richtung Innenstadt gemacht, um nach 16 Uhr dort bei einem Vodafone-Shop hereinzuschauen. Am Abend haben mir dann zwar meine Beine und mein Rücken wehgetan vom vielen Gehen, aber wenn ich mit U-Bahn oder Bus rumfahre sehe ich ja nichts von der Stadt. Ich genieße es, einfach durch die Straßen und Gässchen zu spazieren. Man ist ja sportlich und was eignet sich besser zur Beobachtung meiner neuen Zweitheimatstadt und deren Bevölkerung, als eine Expedition per pedes? Und da machma schon.
Dass ich die Römer äußerst sympathisch finde ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Ein weiterer Charakterzug, den ich an ihnen sehr schätze, ist ihre Liebe zu Hunden. Katzen gibts hier auch genug, aber das mit den Hunden ist mir schon besonders aufgefallen. (Nicht, dass ich Katzen nicht mögen würde – sehr süße Tiere. Aber im Endeffekt sind doch Hunde meine Favoriten.)
Aber zwei Minuspunkte gibt’s im Umgang mit den pelzigen Schnuckelchens:

  1. Gassi gehen ist nicht wirklich drin. Was ich so mitbekommen habe, führt der Großteil der Hundebesitzer ihre Hunde die Gasse entlang oder höchstens für ein paar Minuten auf die begrünte Verkehrsinsel – selbst hier, direkt neben Villa Ada.
  2. Die Idee des Sackerls für’s Gackerl ist hier noch nicht so eingeschlagen.

Was man den Italienern aber anrechnen muss, ist dass sie mittlerweile anscheinend begriffen hat, dass Englisch nun mal eine wichtige Sprache ist. So sprießen hier British und English schools aus dem Boden wie Schwammerl. Zwar noch Schwammerl von der leicht schüchternen Sorte aber das wird schon. Ist ein Anfang.
Auch der Besitzer dieses Wagens ist anscheinend über den Zweiten Weltkrieg hinweg gekommen.

God bless the Queen!

So schön, diese steinernen Straßenbeschildungen!

Irgendwann bin ich auch auf die Piazzale di Porta Pia gekommen, hab natürlich gleich ein Foto von meiner Namensschwester gemacht und bin in die Via XX. Septembre – in Richtung Vodafone-Shop auf der Via del Tritone – abgebogen. Dort ist das Finanzministerium, vor dem zwei echt fesche Soldaten Wache standen. Also die meisten, die das lesen, kennen mich und wissen, dass für mich mehr bei einem Mann dazu gehört, als gutes Aussehen und Uniform. 😉 Aber trotzdem hat’s mir gefallen von den Zweien Komplimente gemacht zu bekommen.
Soldaten sind in Rom viel anwesender als bei uns. Viele von euch denken sich jetzt wahrscheinlich: „Äh, ja eh klar?!“ Natürlich ist es euch klar. Österreich ist neutral und Italien nicht. Aber auch wenn man es eigentlich WEISS, realisiert man es erst so richtig, wenn man Römer darüber reden hört, wie Brüder, Väter und sonstige Verwandte in Afghanistan etc. stationiert sind. Gestern waren Freunde von Sabina – Fabrizio und Mima – spontan zum Abendessen (sie hatten süditalienische Spezialitäten mitgebracht) bei uns. Mimas Vater ist pensionierter General und war lange als Zeit fix beim Gaza-Streifen im Süden Libanons bei einem UNIFIL-Stützpunkt stationiert. Einmal wurde ein Helikopter seines Stützpunktes abgeschossen und der Pilot als Geisel genommen, woraufhin sich Mimas Vater im Austausch gegen den Piloten in die Gewalt der Geiselnehmer begab. Mima und ihre Mutter erfuhren davon damals nur zufällig über die Nachrichten. Gott sei Dank ging damals alles gut.
Mimas Bruder ist auch Soldat und kann keine drei Monate zu Hause ausharren, ohne unglücklich zu sein. Er braucht das richtig, in Gefahrengebieten stationiert zu sein. Wir haben echt Glück, dass wir uns nicht so unmittelbar mit dem Thema Krieg auseinandersetzen müssen! Natürlich werden österreichische Soldaten auf Friedensmissionen (zB. UNIFIL) geschickt, aber das sind nicht so viele. Auch wenn bei solchen UNIFIL-Einsätzen genug passieren kann, ist es nicht der Krieg in Afghanistan.
Jetzt aber genug von so traurigen Geschichten.
Irgendwann bin ich dann beim nächsten Vodafone-„Stützpunkt“ angelangt, wo die leicht unfähige und dann auch noch etwas unfreundliche (die 2. auffallend unfreundliche Person hier) junge Dame mir eine Wertkarte mit 250 Minuten und soundsovielen SMS verkaufen wollte. Da ich aber bezweifle, während meiner Zeit hier so exzessiv zu telefonieren, wollte ich, dass sie mir alle anderen Optionen erklärt. Ich rechnete mit einem Folder oder einer Art Informationsblatt, das sie mir zeigen würde. Hat sie alles nicht. Sie dachte ICH bin hier die Blöde, hat ein leeres Blatt Papier genommen und mir Folgendes darauf aufgeschrieben:

25€
250 min. –> telefonare
… SMS

Jedes Mal aufs Neue eindrucksvoll

Wurde dann soundso nichts, weil ich meinen Pass nicht da hatte. Den brauchen sie. (Ich hab noch nie einen Handyvertrag abgeschlossen und nicht dran gedacht, für alle Fälle meinen Pass mitzunehmen.)
Leicht genervt bin ich weitergegangen und bei sehr netten Geschäftchen vorbeigekommen. Was meine Laune dann wieder gehoben hat, sind die schönen braunen Glattlederstiefel, die ich gefunden habe. ENDLICH! 🙂 In Wien bluten einem die Füße vor lauter herumrennen bevor man schöne Stiefel ohne komischem Schnickschnack zu einem vernünftigen Preis findet. Ich suche jedenfalls schon zwei Saisonenlang nach welchen. Stiefel finden stand übrigens auf meiner To-Do-Liste für meinen Romaufenthalt. Check.
Den restlichen Tag habe ich mich dem Sightseeing gewidmet, habe Fontana di Trevi, Pantheon, Piazza Navona, Monumento Vittorio Emanuele II. (von den Römern mehr oder weniger liebevoll auch „Schreibmaschine“ genannt), das Kloster, in dem wir damals auf unserer Schul-Romreise gewohnt haben und so weiter und so weiter besucht. 🙂 Sehr brav, war ich! In einem Despar (die retten mich echt immer, die vom Spar) ENDLICH Sauerrahm (man würde meinen der kommt vom Mars, so schwer ist der hier zu finden) und Fleischwürfel, beziehungsweise das, was an Teilsames am nähesten herankam, für meine Schinkenfleckerl bekommen. Und dann habe ich mir erlaubt, für den Rückweg den Bus zu benützen. 😉 Sitzen tat nie so gut.
Der Verkehr war aber ein Wahnsinn! 19:30 – alle fahren von der Arbeit nach Hause. Aber WIE sie fahren! Zum (ab)schießen. Mich stört’s ja nicht, so wird hier halt gefahren, aber die Schädel der grantigen Wiener, welche schon hupen wenn man nicht in der Sekunde, in der die Ampel grün wird, über alle Berge ist, würden hier einem überreifen Paradeiser gleichen. Rot und jede Sekunde zu zerplatzen drohend.
In Rom wird nicht in der Spur gefahren. Du quetscht dich dort rein, wo Platz ist. Autogruppenkuscheln. Wer gescheit ist, fährt mit Moped, Motorrad oder maximal einem Mini oder Fiat500.
Sperrlinien vor dem Zebrastreifen bei Ampeln sind hier praktisch nonexistent. Besonders Moped- und Motorradfahrer beachten die nicht.
Die Buse hier fahren auch nicht brav an den Straßenrand. Mindestabstand vom Gehsteig sind ein bis eineinhalb Meter. Wahrscheinlich würden sie sonst nicht mehr vom Fleck kommen, weil niemand anhalten würde, um den Bus wieder auf die Fahrbahn zu lassen. In Wien wäre das Anlass für ein perfektes Hupkonzert, hier ist es halt so und niemand regt sich auf. (Übrigens: Bei Haltestellen mehrerer Buslinien ist es empfehlenswert, dem Busfahrer ein Handzeichen zu geben, wenn man bei ihm mitfahren möchte. Andernfalls könnte es passieren, dass er weiterfährt, weil er denkt, dass man auf den Bus einer anderen Linie wartet.)
Grün für Fußgänger ist oft auch eine relative Sache. Wenn du bei einem Zebrastreifen am Straßenrand stehen bleibst und wartest, bis ein Autofahrer anhält, um dir das Überqueren der Straße zu ermöglichen, bist du 10 Jahre älter. Also bestimmten Schrittes und mit Handzeichen über die Straße gehen und einfach das Gefühl ignorieren, jeden Moment abgeschossen werden zu können – noch dazu bei diesem verrückten Verkehr.
Dafür nimmt wird die „Bei Rot musst du stehen, bei Grün darfst du gehen“-Regel auch nicht so ernst genommen, wie in Wien. Man kann (darf) vor der Nase von carabinieri, poliziotti etc. bei Rot über den Zebrastreifen gehen, wenn man sich nicht gerade in die Schussbahn eines Fahrzeugs begibt. In Wien hat mich mal ein Freund(ha-ha)-und-Helfer gefragt, ob ich deppert bin, weil ich, unschuldiges Mädchen von 15 Jahren, bei der Mündung der Reisnerstraße bei Rot über diese Futzi-Ampel gegangen bin. (In 80 Prozent der Fälle ist es mir sogar unangenehm, ohne Zebrastreifen oder bei Rot über den Ring zu SPRINTEN, wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist. Wenn ich dort bei Rot die Straße überquere, mag das was heißen. Außerdem fährt dort erstens durchschnittlich ein Auto in 3 Grün-Perioden und zweitens ist dort WENN mal für Autos grün ist vielleicht genau 5 Sekunden grün. Ist wahrscheinlich auch der Grund, wieso dort keiner fährt. Sollten einmal zwei Autos vor die sein, wenn du dort stehst, kommst du über die Grünphase nicht drüber, welche die vor dir erwischen.)
Allgemein ist die Polizei hier viel mehr Freund, als generell in Wien. Es gibt natürlich immer Ausnahmen, aber ich glaube, der Wiener Polizei eilt ihr Ruf im Umgang mit Menschen vorraus – eben leider im negativen Sinne. Wer bis zu seinem Besuch in Wien noch nie etwas davon gehört hat, kann damit rechnen, es am eigenen Leibe zu erfahren – mit großer Wahrscheinlichkeit, zumindest.
Fazit: Der Verkehr hier ist zwar gewöhnungsbedürftig und chaotisch, dafür ist man hier nicht so unglaublich penibel. Es wird zwar kurz gehupt und vielleicht ertönt ab und zu das ein oder andere nicht ganz optimale Wort, sollte sich jemand besonders blöd anstellen, aber das ist es auch schon.
Zuhause angekommen, war ich zufrieden, wieder so viel gesehen und so einen netten Tag erlebt zu haben, aber auch erleichtert, endlich einmal länger zu sitzen und vor allem froh, zu Abend zu essen. Es war wahnsinnig gemütlich mit Fabrizio und Mima! Beide sind unglaublich lieb und bemüht, mir in Rom Möglichkeiten in Richtung eines Praktikums und einem Teilzeit Job zu ermöglichen. Ich habe nicht einmal danach fragen müssen. Fabrizios jüngste Tochter, Chiara, und ich werden uns bald einmal treffen. Ich genieße es zwar sehr, Sabinas nette Freunde kennenzulernen, aber freue mich auch darauf, langsam Leute meines Alters zu treffen.
Ich hab auch Costanza geschrieben. Ich habe sie 2011 auf dem Johannsclubball kennengelernt. Sie kommt aus Turin und studiert jetzt in Mailand, also werde ich sie einmal besuchen fahren. 🙂

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