Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für die Kinder und mich

Und weiterhin ist das Wetter traumhaft. Dabei war’s für die letzten drei Tage zuerst nicht so toll angesagt.
Gestern Früh ist Sabina nach New York geflogen und ich habe die Kinder zur Schule gebracht. Hab auch den Vater, Massimo, kennen gelernt.
Am Weg zur Schule hat sich dann ein kleines Wunder ereignet: Lorenzo hat das ERSTE Mal wirklich angefangen, mit mir zu reden und sich dafür zu interessieren, was ich hier so mache, wo ich Italienisch lernen werde und so weiter. Gestern Nachmittag, als ich die Buben abgeholt habe, um sie zum Schwimmen zu bringen, war er wieder still aber HEUTE Nachmittag hat er sich an meiner Unterhaltung mit Federico beteiligt und dann auch von sich aus Fragen gestellt und Sachen erzählt. Ich habe mich echt gefreut. 🙂 Federico und ich haben uns heute nämlich über Zungenbrecher unterhalten. „Zungenbrecher“ ist übrigens offiziell sein erstes deutsches Wort. Wie ich so von deutschen Zungenbrechern und diesen „Sags-so-oft-du-kannst-und-ganz-schnell-hintereinander“-Sprüchen (hier zwei Klassiker zum selbst ausprobieren: „Hirsch heißt der Mann“, „Teppich“), ist die Frage aufgekommen, wieso ich eigentlich so gut Deutsch sprechen kann, wenn ich doch aus Österreich komme. Und, gehört denn nicht Österreich zu Deutschland? Dachte eigentlich so etwas bekommt man nur in Amerika zu hören, wobei man wohl Nachsicht haben muss, da die Kinder erst 11 Jahre alt sind. Oder wann beginnt man hier mit Geographie?
Ich habe ihnen dann erklärt, dass man in Österreich Deutsch spricht, aber nicht das typische deutsche Deutsch, sondern einen anderen Dialekt. Und Österreich nur während des zweiten Weltkrieges zu Deutschland gehört. „Yes, Austria was the first country Germany attacked!“ Das alte Thema. Der eine sagt dies, der andere das. Ich habe ihnen erklärt, dass wir eigentlich angeschlossen wurden und nicht alle gegen die Annektion waren. Erste richtige Gespräche. 🙂 Ich verzeichne das als großen Erfolg in meinen ersten zwei Wochen!

Nachdem ich die Kinder gestern in der Schule abgeliefert hatte, ging ich schnurstracks zum Vodafone-Shop, in meinem Kopf die Standpauke probend. Schlechter Kundenservice, in Österreich würde das nie vorkommen (sagma mal), bliblablo.
Der Shop hatte noch zu. Dabei war es neun Uhr. Aber gut. Ich bin dann einfach zum Fitnesscenter Roman Sport Center weitergegangen, um mich dort über Angebot und Preise zu informieren. Ich sag euch, das ist ein Nobelschuppen! Und RIESIG. Mit Pool, Sauna, türkischen Dampfbad, Sonne-und-Mentholduft-Raum (keine Ahnung wie das heißt), Jacuzzi, Massageräumen, Solarium, zwei Sälen, in denen die Stunden abgehalten werden und einem recht großen und mit Geräten vollgestopften Raum. Dabei ist die Filiale in meiner Nachbarschaft die kleinere. Die ungefähr 3x größere Schwester wohnt bei Villa Borghese. Und die KUNDEN! Was stellt ihr euch unter dem Stereotypen der reichen italienischen Frau vor?
Gebräunt, leicht operiert, selbst beim Fitnesstraining perfekt geschminkt? Jep. (Ich habe im Internet sogar gelesen, dass man in dieses Fitnesscenter nur dann gehen sollte, wenn es einen nicht stört, haufenweise perfekt gestylten und schlanken Frauen über den Weg zu laufen.)
Ich wurde von einer sehr netten Trainerin herumgeführt. Leider viel zu teuer, das Ganze, was eigentlich eh klar war. 500 € für sechs Monate. Und das war schon der „special price“ für Mitglieder unter 25 Jahren. Plus 60 € für eine Untersuchung des fitnesscentereigenen Arztes, um meine volle Einsatzfähigkeit zu bescheinigen. Das wären an die 400 € mehr, als ich in einem halben Jahr für mein Fitnesscenter in Wien zahle. Leider nein, also. Mehr gibt’s in meiner Nähe nicht, also werde ich mich auf Laufen in Villa Ada und bisschen Training zu Hause beschränken.
Um vier Uhr bin ich noch einmal zum Vodafone-Shop gegangen, habe aber natürlich am Vertrag nichts ändern können. Sabina hatte mir bei unserem letzten Telefonat noch geraten, meinen Ärger erst einmal runterzuschlucken und den Angestellten ruhig zu begegnen. War wirklich die bessere Idee, sonst hätten sie vielleicht noch blöder reagiert, aber ich hab dann am Schluss leider vergessen, mich aufzuregen. Kann man nichts machen. Was mich nur echt genervt hat, ist, dass der Typ der mir den Schmarren auch verkauft hat vor meiner Nase mit seinen Kollegen gelästert hat. Er dachte anscheinend ich hätte nicht die geringste Ahnung von Italienisch.

Da das Wetter immer noch traumhaft ist, obwohl für die letzten drei Tage ursprünglich schlechteres Wetter angesagt war, habe ich mich gestern auf eine kleine Bank an einem Teich in Villa Ada gelegt, die Sonne auf meinen Bauch scheinen lassen und mich in mein Buch vertieft.

Ab jetzt meine Stammbank! 😉

Was ich besonders traumhaft finde ist, dass der Park so unfassbar riesig ist (wobei er immer noch kleiner ist als Villa Borghese), dass nicht alle zwei Sekunden jemand an einem vorbei kommt. Dann und wann haben mich Radfahrer und Jogger passiert, aber sonst hatte ich das Plätzchen ganz für mich alleine. Ich habe mich gefühlt, wie in meinem Privatgarten. Als ich einen genaueren Blick auf den Teich warf habe ich gesehen, dass ich nicht die einzige bin, die ihre Nase in die Sonne steckt. In dem Teich leben total viele süße Schildkröten! Zuerst habe ich nur eine gesehen, aber bei genauerem Hinschauen habe ich immer mehr entdeckt. Und wunderschöne bunte
Libellen!

Dann hat mein Handy geklingelt und meine liebe Bea war dran. Sie war jetzt fünf Tage mit ihrer Klasse in Rom und Donnerstag Nachmittag und Abend und heute Nachmittag hatten sie Freizeit. Wir haben uns ausgemacht, dass wir uns am Abend treffen würden.
Dieses Treffen war meine Rettung! Langsam wird mir nämlich bewusst, dass meine Freunde und meine Familie alle in Österreich sind und dass ich sie sehr vermisse. Ich weiß, so lange bin ich echt noch nicht da, aber die Aussicht auf die nächste Zeit bis Weihnachten macht den Unterschied. Manche werde ich nicht einmal zu Weihnachten sehen.

Am Abend habe ich also meine Bea bei der Piazza Navona getroffen. Es hat sich so lustig angefühlt, dass wir beide in Rom waren und uns dort getroffen haben! Schnurstracks ging’s dann zur Gelateria Della Palma, dem Eisgeschäft mit den 150 Eissorten und einem Shop mit allen Süßigkeiten, die man sich nur wünschen kann. LIEBE!
Mit unserem herrlichen Eis in der Hand haben wir uns dann auf den Stufen des Brunnens vor dem Pantheon niedergelassen und gemütlich geplaudert. Später haben wir Beas Klassenkollegen getroffen, von denen ich einige schon kannte. So ein gemütlicher Abend! Erschöpft, aber mit einem zufriedenen Lächeln bin ich dann mit dem Bus in Richtung Bett gefahren. Und wie GUT es war, dann endlich im weichen, kuscheligen Bett zu liegen! Habe dringend Schlaf gebraucht.

Heute hat der Wecker um elf Uhr geläutet. Schnell einen großen Espresso getrunken, mich in Lauf-Schale geworfen und ab ging’s. Es war herrlich, mal wieder Sport zu machen. Außerdem kann man in diesem Park ewig herumlaufen, ohne im Kreis zu laufen, was sehr angenehm finde. Wenn ich im Kreis laufe, merke ich, dass ich laufe. Ich will ja auch merken, dass ich laufe, sonst habe ich ja nicht das Gefühl, etwas gemacht zu haben, aber ich will’s nicht in der „Noch-so-und-so-viele-Runden“-Hinsicht merken. Blöd erklärt, aber ich glaube, ihr versteht, was ich meine.

Nach einem gemütlichen Frühstück bin ich mit dem Bus in Richtung Zentrum gefahren. Mittlerweile waren auch schon Smudo und Pater Johannes Paul angekommen, aber die beiden werde ich erst morgen treffen. Freu mich schon! 🙂 Gerade kam auch eine gute Nachricht, was dem morgigen Tag betrifft: Sabina hat gerade angerufen und mir gesagt, dass ihr Flug doch schon früher ankommt und sie daher ungefähr um ein Uhr zu Hause ist. Das heißt, dass ich am ein Uhr frei für jeglichen Schabernack bin. 🙂 JUHU!
Mit Bea und den anderen habe ich mich kurz in Villa Borghese gesetzt, aber leider musste ich schon viel zu bald wieder fahren, um die Kinder von der Schule abzuholen. Genossen habe ich es aber allemal.

Auf der Spanischen Treppe 🙂

Heute Abend habe ich den Kindern Hühnerfilets mit Rosmarin gemacht und ihnen einen Fisolen-Salat serviert, den Sabina vor zwei Tagen gemacht hat. Ich lasse ihn nur ungern vergammeln. Federico war zuerst nicht so von der Rosmarin-Idee überzeugt, aber nachdem ich ihn gebeten hatte, es doch wenigstens einmal zu probieren, hat’s ihm doch geschmeckt. Lorenzo hat das Filet kurzerhand in einem Stück mit der Gabel aufgespießt und von dem ganzen Teil abgebissen. Als ich ihm vorschlug, doch das Messer seinem Zweck entsprechend zu verwenden, hat er das zwar gemacht, aber sich die riesigen Fleischstücke alle in Lichtgeschwindigkeit in den Mund gestopft. Er wollte wohl so schnell wie möglich wieder zum Fernseher kommen. Hab’s dann auf die Vernunftstour probiert: „Lorenzo, don’t stuff everything at once in your mouth. It’s not healthy to eat that fast.“ Er wirft mir einen skeptischen Blick zu. „Really! Believe me.“ Dann habe ich ihm erklärt, wieso man langsam essen sollte und gut kauen muss.
Das mit den 20 Minuten bei Tisch hat nicht ganz funktioniert, aber das ist nicht so tragisch. Eins nach dem anderen. Heute haben sie gelernt das Geschirr nach dem Essen in die Abwasch zu stellen und haben zum Dessert den Obstsalat gegessen, den ich gemacht habe. Außerdem habe ich ihnen erklärt, dass mir Dinge wie „Bitte“ und „Danke“ zu sagen und zu grüßen wichtig sind. Mal sehen, ob das gesickert ist. Morgen wollte ich eigentlich eine Eierspeise mit Rosmarin (Ja, ich steh auf Rosmarin.), Paradeisern und Zucchini zu machen. Da sie aber schon ab sieben Uhr auf sein werden, wird das wohl nichts. Zu dem Zeitpunkt, an dem die Eierspeise fertig wäre, haben sie sicher schon jeweils 10 Stück ihrer Lieblingskekse und 1l Erdbeer-Joghurtdrink verdrückt. Vielleicht funktioniert das mit dem gemeinsamen Frühstück dann, wenn ich es ihnen heute ankündige. Ich werd’s einfach probieren.

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Ein Kommentar zu “Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für die Kinder und mich

  1. Liebe Pia! Deine Berichte aus Rom gehören schon zu meiner Lieblingslektüre. Ich glaube, bei den Kindern braucht es Geduld. Betrachte es mal aus ihrer Warte: wieviele Aupair-Mädchen haben sie schon gehabt? Es ist psychologisch normal, daß sie sich nicht bei jeder neuen Person sofort öffnen. Reiner Selbstschutz.

    Genieße die Sonne – Sende Dir Bussis aus herbstlichem Wien,
    Minga

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