Viel zu erzählen!

Soooooo, wo fange ich an?
Schön der Reihe nach, würde ich sagen.
Die Ferien letzte Woche waren ein Traum! Zurück in Rom habe ich feststellen müssen, dass schlussendlich auch hier der Herbst angekommen ist. Der Sturm letzte Woche war sozusagen die Überleitung. Aber ich möchte mich echt nicht beklagen, immerhin ist es mittlerweile Anfang November – da darf es ruhig herbstlich werden. Ich muss mich jetzt nur schleunigst mit der richtigen Kleidung eindecken (Mantel, „Haussschuhe“ wegen des Steinbodens, Strümpfe,…)! Man glaubt es kaum, aber bis jetzt habe ich noch nicht ein einziges Mal richtig geshoppt.
Die Zeit verfliegt, meine Lieben. Übermorgen sind schon zwei Monate vergangen, seit ich hier angekommen bin. Und übernächste Woche ist es noch ein Monat, bis ich nach Wien komme. Hach Gott herrlich, ich freue mich schon so auf meine großartige Familie und meine lieben Freunde! Gestern habe ich stundenlang mit meiner Familie geskypet. Netterweise waren auch ein paar Geschwister meines Vaters bei uns zu Hause, weswegen ich tollerweise auch ein bisschen mit ihnen reden konnte. Das hat mich wahnsinnig gefreut!
Das Monatsticket für November habe ich mir wieder am Termini abgeholt. Never ending story, that one. Diesmal sind mir die Ferien dazwischen gekommen. Freitag vor unserer Abreise war der erste Tag, an dem es erhältlich gewesen wäre und da hat mich auf dem Weg in die Stadt die Sintflut überrascht. Die Schlange war aber Gott sei Dank nicht so arg und ich habe ein nettes deutsches Paar aus Berlin kennengelernt, die eigentlich für einen Kongress hier sind, aber einfach drei Tage Sightseeing davor eingeschoben haben.
Ich habe ENDLICH das Paket mit der Rücksendung zu Amazon bei der Post abgegeben, nachdem mir da die italienische Bürokratie dazwischen gekommen ist. Man muss die Pakete nämlich in Packpapier einpacken. Wie Geschenke halt, nur nicht so hübsch, weil das Papier nicht farbig ist und sie wenigstens gerade noch auf die Schleife verzichten. Sabina hat so ein Papier natürlich nicht zu Hause, also habe ich einfach mit meinem aus Wien importierten kleinen Tixo an die acht weiße A4-Blätter zusammengepickt und das Paket darin eingewickelt. Der Postangestellte hat’s zwar kritisch beäugt, aber durchgehen lassen – Gott sei Dank. Mich hat das schon genervt. Das Lustige ist: Ich komme jedes Mal zum selben Typen. Man zieht ja bei jedem Blödsinn hier so einen kleinen Zettel und wartet dann, bis die Nummer aufgerufen wird. „Gutes System“, denkt ihr jetzt vielleicht. Ja, ha ha, dachte ich auch. Aber nicht lange. Man würde denken, dass dieses System schneller funktioniert. Nope. Weswegen das so ist, habe ich noch nicht ganz herausgekommen, aber ich tippe einmal darauf, dass es daran liegt, dass keine wirkliche Schlange vor dem Schalter steht, sondern die Leute wirklich brav warten (man kann sich hinsetzen oder stehen) bis ihre Nummer auf der Anzeige aufscheint. Und die Angestellten nehmen sich gerne einmal eine halbe Minute oder so Zeit, bis sie die nächste Nummer aufrufen. Als ich da also ankam, mein Paket ungefähr nach italienischen Maßstäben stolz unterm Arm, und den Zettel zog, hoffte ich inständig, nicht wieder zum selben Herren zu kommen. Nicht, dass der mich auffressen würde – ich bin halt eine kleine Österreicherin im Ausland die sich erst zurecht finden muss, ist ja kein Verbrechen. Aber irgendwie ist es mir schon unangenehm. Der kennt mich nämlich schon weil ich immer mit so einem Blödsinn daher komme.
Das erste Mal wollte ich quaranta francobollihaben. „QUARANTA?“ [Kritischer Blick über den Brillenrand inklusive] – „Sì, per favore.“
Das zweite Mal bin ich mit meinem nach österreichischen Maßstäben eingepacktem Paket gekommen.
Tja, und das dritte Mal hat’s dann Gott sei Dank funktioniert, bis auf ein wenig Chaos mit dem Paketzettel. Aber im Vorfeld hat er mich schon über die gesamte Wartezeit hin immer wieder etwas skeptisch über die Brillengläser beäugt.
Im Grunde haben die gemeinsamen Ferien den Buben und mir gut getan, oder genauer gesagt unserer Beziehung. Wir sind etwas vertrauter geworden und das freut mich sehr. Allerdings haben sie sich heute und gestern unmöglich aufgeführt. Gestern ist ihre Nonna von den Kanaren angereist. Sabina hat derzeit extrem viel zu tun und ist viel weg, weswegen ihre Mutter hier ist, um zu helfen. Ich bin zwar auch da, aber es ist ja nett, wenn die Kinder auch Zeit mit ihrer Nonna verbringen. Leider benehmen sie sich in ihrer Gegenwart wie Kleinkinder, frei nach dem Motto „Das ist unsere Nonna, jetzt müssen wir uns wie kleine Kinder benehmen, weil sie uns eh immer süß findet,….“ Die Tour halt. Federico hat es heute geschafft, von der simplen Bitte, nach dem Essen gleich den Pyjama anzuziehen und Zähne zu putzen bevor sie sich wieder vor die Glotze setzen, bis zu einem Heulkrampf zu gelangen. Normalerweise ist er der Vernünftige der beiden Kinder, aber jetzt redet er in Kleinkinderstimme und führt sich auf wie ein 5-jähriges Mädchen, das auf Drama-Queen macht. Er weiß das ganz genau und er weiß auch, dass ich es weiß und er bei mir mit der Tour nirgends hinkommt. Leider sind die beiden auch sehr respektlos mit der Großmutter umgegangen, was sie dann nachher mir gegenüber auch bemerkt hat. Federico hat herumgeschrien und ihr „Vattene!“ (dt. Verschwinde!, Schleich dich!, Scher dich zum Teufel!) entgegengebrüllt. Dabei hat sie heute ihre gute Lasagne gemacht und mitgebracht und ist so lieb mit den Kindern. Zu lieb, um genau zu sein. Anstatt Federico zu erklären, dass er so nicht mit ihr reden kann, erwähnt sie es nur mir gegenüber. Und als ich meinte, nach diesem Wahnsinnstheater wäre heute kein Fernsehen mehr drinnen, hat sie gesagt, dass sie doch dürfen. Vielleicht ist es nicht an mir, Konsequenzen zu ziehen, aber wie sollen die Kinder denn lernen, dass sie etwas falsch gemacht haben? Als ich jetzt gerade den Fernseher abdrehen war, weil sie schon gedöst haben, ist Federico kurz aufgewacht und hat mir in versöhnlicherem Ton „Gute Nacht“ zurück gesagt.
Ich habe neulich im Supermarkt meine Bankomatkarte entjungfert! Juhu 🙂 Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wo ich am besten Geld abhebe, wenn ich einmal Bedarf habe.
Da ich mein wertvolles Haaröl vorletzte Woche erfolgreich über den Fußboden verteilt habe, nachdem mir nach dem Duschen die Flasche runtergefallen ist, habe ich mich auf die Suche nach einem neuen gemacht. Klingt banal, aber mit meinen Locken brauche ich wirklich dringend eines. Ich suche jetzt nach Kokosöl. Das soll besonders gut sein. Leider gibt’s hier aber nicht BIPA oder dm, sondern Kontaktlinsenlösung und diverse andere Dinge bekommt man nur in der Apotheke. Eine kleine Schatzsuche also, denn bis jetzt hatte keine Apotheke besagtes Öl. Vielleicht muss ich einmal in so einen erborista reinschauen. Sollte halt auch leistbar sein, bitteschön.
Ich bin mit dem Buch fertig geworden, dass ich aus Wien mitgebracht habe. Jetzt heißt es: Italienische Bücher lesen. Sabina hat hier vorwiegend englische Bücher. Inhalt sämtlicher Bücher sind hauptsächlich besonders schockierende Stories, die die Medien auf Trab gehalten haben. Das brauche ich irgendwie nicht so. Also lese ich über die Mafia, über die Sabina hier auch einiges Material hat. Den Anfang macht Una Storia Semplice von Leonardo Sciascia. Das Buch hat nur 66 Seiten, was für den Anfang angenehm ist.
Am Weg zum Sprachkurs ist mir heute die erste Weihnachtsdekoration eines Shops aufgefallen. Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei, was mich heute noch ein paar Mal mehr geärgert hat (hab ich’s nicht gesagt?), aber es ist echt eine recht auffallende Dekoration. Nicht nur eine Lichterkette, oder so.
Auf meinem Weg von der Busstation bis zur Sprachschule gehe ich immer über die Piazza Colonna und die Piazza di Montecitorio. Auf beiden Piazzas stehen Regierungsgebäude, weswegen dort oft viele Journalisten stehen, die Plätze manchmal abgesperrt werden und viele Carabinieri anwesend sind. Jedenfalls steht vor dem Palazzo Montecitorio jeden Donnerstag in der Früh ein etwas älterer Mann mit Zetteln in der Hand und hält eine Rede – für niemanden bestimmten, er hält sie einfach. Ich verstehe leider noch nicht was er sagt, noch dazu hallt das ganze ziemlich auf diesem Platz, aber ich wüsste echt gerne, worüber der Gute redet.
Und jetzt zu einer Geschichte, die mich heute echt schockiert hat: Ich habe euch ja von meiner französischen Freundin Cindy erzählt. Sie ist mit mir im Beginnerkurs, aber in der anderen Klasse. Nach dem Kurs treffen wir uns immer und machen entweder noch etwas, oder tauschen uns ein wenig aus. Jedenfalls hat sie heute gar nicht gut ausgeschaut – ganz blass und erschöpft und einfach nicht gut. Ich habe sie gefragt, ob sie müde oder krank ist und sie hat gesagt, dass sie nichts von beiden ist, sondern dass es ihr wegen etwas anderem nicht so gut geht. Und jetzt kommts: Ich frage sie also besorgt, was mit ihr los ist. „I have to leave Italy…They’re sending me away.“
…..
Kennt ihr das Gefühl, dass ihr zB bekommt, wenn euch siedendheiß etwas einfällt? The feeling when it literally „hits“ you? Es fühlt sich echt so an. BUMM.
So ging’s mir und ich will nicht wissen, wie’s Cyndie ging, wie ihr die Familie, bei der sie als Aupair ist, mitgeteilt hat, dass sie nicht wollen, dass Cyndie auf ihre Kinder aufpasst. Es ist nie etwas passiert, ganz im Gegenteil. Cyndie ist irre lieb mit den Kindern, bringt ihnen ab und zu Süßes aus der Stadt mit, hat sie ins Herz geschlossen und macht ihren Job gut. Nein, das „Problem“ ist ein anderes: „They don’t trust me because of my diabetes.“ „HÄ?“ Ja genau. Das hab ich mir auch gedacht. Die Eltern meinen ernsthaft, dass sie Cyndie nicht ihre Kinder anvertrauen können, weil sie Angst haben, dass Cindy einmal einen Diabetes-Notfall hat, wenn sie mit den Kindern unterwegs ist. So eine Frechheit! Ohne, dass je auch nur annähernd ein solcher Fall eingetreten wäre. Ich war jetzt schon oft mit Cyndie unterwegs, wir haben gemeinsam Eis und Bäckereien gegessen und waren essen und niemals war irgendetwas wegen ihrer Diabetes los. Ich meine, sie ist 22 Jahre alt und lebt seit einigen Jahren mit ihrer Krankheit. Ist ja nicht so, als könnte sie nicht damit umgehen. Die ärgste Frechheit an der ganzen Sache ist, dass die Eltern schon im Vorfeld wussten, dass Cyndie Diabetikerin ist. Ich meine, wie in aller Welt kann man einem Mädchen, dass in ein fremdes Land kommt um dort die Sprache zu lernen und bei einer Familie zu arbeiten, so etwas antun? Nicht im Traum würde mir das als Elternteil einfallen, wenn ich ein Aupair bei mir aufgenommen hätte. Nicht einmal, dass sie ihr irgendwie behilflich sind, eine andere Familie zu suchen oder ihr versichern, dass sie bei ihnen bleiben kann, bis Cyndie eine Lösung gefunden hat. Cyndie hat davon gesprochen „nächste Woche oder so“ abreisen zu müssen. Das geht sowas von gar nicht. Ich hätte gute Lust denen ordentlich die Meinung zu sagen. Ich würde es auch machen. Hab’s angeboten. Zumindest einen Monat „Kündigungsfrist“ müssen sie ihr auf jeden Fall geben. Das habe ich Cyndie auch gesagt. Ich hoffe sie besteht darauf. Auf jeden Fall werde ich morgen zur Direktorin der Schule meiner Kinder gehen und sie bitten, eine Anzeige in den Schul-Newsletter zu setzen. Dann werde ich auch mit Barbie reden, ob sie jemanden kennt, der gerne ein Aupair hätte und außerdem gibt’s hier anscheinend eine deutsche Kirche, in der man als Aupair Hilfe findet. Damit hat eine Österreicherin aus meinem Kurs hier eine neue Familie gefunden, nachdem ihre erste schrecklich war. Wir schaffen das schon Cyndie tut mir nur so Leid… Ich habe versucht, sie abzulenken und aufzuheitern, aber wenn man in so einer unangenehmen Situation ist, wie sie derzeit, ist es sicher sehr schwer, sich keine Sorgen zu machen.
Nachdem Cyndie in Richtung „zu Hause“ aufgebrochen war, habe ich mich mit Teresa getroffen und wir waren gemütlich etwas essen. War sehr nett! Wir haben irrsinnig gemütlich geplaudert und wunderbar gespeist (in dem Restaurant, in dem ich auch mit Pater Johannes Paul und Smudo war) – wunderbares Essen, wieder einmal!
Auf dem Weg zur Schule der Kinder habe ich in einem Shop vorbeigeschaut, in dem man Hilfe findet, wenn man mit diversen Mobilgeräten etc. Probleme hat. Dort habe ich ein USB-Verbindungskabel für meinen guten alten BlackBerry erstanden, mit dem ich jetzt ENDLICH das notwendige Software-Update durchführen konnte. Und ich muss sagen: HERRLICH! Die neue Software ist supi. Abgesehen davon, dass jetzt mein Handy wieder läuft, habe ich das Gefühl, ein vollkommen neues Gerät zu besitzen. Nummern sind halt weg, aber das lässt sich beheben. Tollste Sache überhaupt: Ich konnte die deutsche Sprache wieder auf meinem Handy installieren. JACKPOT! So angenehm…! Bin ganz seelig. Dabei ist das Spielchen ja noch nicht zu Ende: Der neue Akku, den ich bei Amazon bestellt habe, ist anscheinend nicht mit meinem BB kompatibel. Zwar stand in der Beschreibung, dass er das wäre, aber mein Gerätchen sagt „Nein“ und so muss es dann wohl sein. Also: Wieder zu Post (juhu…) und zurückgeschickt, das blöde Stück. Trifft sich gar nicht so schlecht, da ich sowieso Briefmarken kaufen muss. Wetten ich ende wieder beim selben Typen?

Nota bene: Die Italiener geben nicht „Bussi links, Bussi rechts“, sondern „Bussi rechts, Bussi links“. 😉

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2 Kommentare zu “Viel zu erzählen!

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