Lucia

Im Gymnasium hatte ich in den ersten Jahren eine Biologie- und Turnlehrerin, vor deren Stunden wir Schüler, damals noch kleine Stöpsel, uns unglaublich fürchteten. Ihre Stundenwiederholungen waren echt hart und wer nicht vorbereitet war, hatte eine Todesangst! Es schossen einem einem Stoßgebete wie „Bitte nicht ich, bitte nicht ich.“, oder „Bitte frag mich nichts, was ich nicht weiß!“ durch den Kopf und der Moment wenn man drankam und nicht vorbereitet war … uiuiuiui,  also dieses Gefühl, das werde ich niemals vergessen!!!

Heute habe ich mich das erste Mal seit meiner Schulzeit wieder ein bisschen so gefühlt. Erster Tag des corso medio (ich habe ja den corso elementario übersprungen), ich komme natürlich zu spät, weil der Bus ewig nicht gekommen ist. *klopfklopf* Ich trete ein.
„Sei qui per il corso medio?“ – „Si.“ – „Ah. Dove hai fatto il corso elementario?“ – “Non l’ho fatto, ho fatto il corso dei principianti. Studio a casa e per questo ho già imparato la grammatica del corso elementario.”
Von der Lehrerin kommt ein skeptischer, etwas missbilligender Blick. Ich musste auf zwei Blättern unterschreiben, sie murmelt ein „Also, schauen wir erst einmal, wie du zurechtkommst.“  Ich: „Certo!“, und setze mich.
Meine Sitznachbarin war ein deutsches Mädchen, das gleich total nett war. Die Lehrerin hat die ganzen zwei Stunden Stoff aus dem corso elementario abgefragt. Und ich muss sagen, dass ich mich echt gut geschlagen habe! Ich hatte zuerst Angst, dass sie mich jetzt voll auf die Probe stellt, was sie auch ein wenig gemacht hat, aber ich habe alles richtig beantwortet. Ich habe sogar andare, das ja ein unregelmäßiges Verb ist, im futuro semplice von oben bis unten konjugieren können, ohne stoppen und nachdenken zu müssen. Ich hoffe, dass ich sie halbwegs überzeugt habe. Die ganzen zwei Stunden hindurch dachte ich mir nur: „Bitte, bitte, die Zeit soll schnell vergehen, damit ich nach Hause rennen kann und lernen kann!“ 😛 Im Grunde habe ich bis auf den Imperativ eh schon alles gelernt, ich muss das Gelernte jetzt nur noch etwas festigen und dann bin ich ready to go. Tatsächlich bin ich schon unter den Guten der Gruppe.
Jetzt heißt es also einfach „am Ball bleiben“ – aber ich wollte ja eine Challenge. 😉 Voilà, da ist sie. Und so arg ist sie ja jetzt auch nicht!

Später habe ich Tonia und Marie-Luise von meinem ersten Kurstag und der Lehrerin erzählt und Tonia wusste sofort wen ich meine. Sie hatte dieselbe Lehrerin und erzählte mir, dass sie im Vorfeld schon von einer Lehrerin namens Lucia gehört hatte, die total unangenehm ist und dass sie hoffen soll, nicht zu der zu kommen. Dreimal dürft ihr raten, wer ihre Gruppe übernahm? Lucia, natürlich. 😉
Auch wenn Lucia etwas furchteinflößend sein kann, ist sie ab und zu auch recht sympathisch. Sie fährt aber eine vollkommen andere Schiene, als meine letzte Lehrerin, Daniela. Daniela war etwas chaotisch, aber irre herzlich und milde. Sie betonte immer, dass wir uns merken müssen, dass Italienisch keine leichte Sprache ist und wir gut lernen müssen. Lucia sagt: „Das ist doch so einfach. Das Einzige, das etwas schwieriger ist, ist ‚che/chi‘ und ‚ghe/ghi‘.“ Daniela ist also etwas angenehmer, aber ich glaube, dass Lucia für mich doch besser ist. Ich möchte ja ordentlich viel lernen, da ist so etwas, wie regelmäßige Stundenwiederholungen, von Vorteil.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s