Tohuwabohu in Rom

Maratona di Roma – Prima preghiera dell’Angelus di Papa Francesco – Giorno dell‘Unità d’Italia

Der 17. März 2013 wird als der Tag in die römische Geschichte eingehen, der sogar für römische Verhältnisse unglaublich chaotisch war. Drei Riesenereignisse fanden vergangenen Sonntag in Italiens Hauptstadt statt. Im Zuge des Marathons und des Tages der Italienischen Einheit war das Zentrum gesperrt, was bedeutet, dass die Busse nur bis zu einem gewissen Punkt in Richtung Innenstadt fuhren. Um, so wie zum Beispiel ich, von einer Seite der Stadt auf die andere beziehungsweise zu Sankt Peter zu gelangen, war die Metropolitana also die einzige Möglichkeit. Zwei U-Bahn-Linien und zehntausende Menschen, die zum ersten Angelusgebet zum Petersplatz strömen. Dazu noch wer weiß wie viele Zuschauer, die zu verschiedenen Teilen der Marathonstrecke gelangen wollen. Na hawe d’Ehre.

Mein Plan: Aufstehen um 0800, Frühstück, Anziehen, Präsentabelmachen, Haus um 0900 verlassen mit der Aussicht auf Ankunft am Petersplatz um 1000 plus/minus 10 Minuten.
Ich wollte den 63er bis Largo Argentina nehmen, wo ich dann einen Bus über den Tiber nehmen würde. Alternative wie immer: 92er bis Piazza Buenos Aires und dann in 83er oder 63er umsteigen, die ab ungefähr dort beide bis in die Innenstadt fahren – je nachdem, welcher zuerst käme.

Um 0910 stand ich bei der Busstation. 92er kam zuerst, also stieg ich ein. Bei der nächsten Anzeigetafel (die sind nicht überall) stellte ich fest, dass der nächste 63er knapp hinter uns war. Also stieg ich bei Buenos Aires direkt um. Stellte sich heraus, dass dieser nur bis Piazza Barberini fahren würde – also nicht einmal annähernd weit genug. Aber Hauptsache, über der Frontscheibe steht neben der Busnummer immer noch groß in digitalen orangen Buchstaben die normale Endstation „Monte Savello“. Also musste ich mir eine Alternative überlegen und die schnellste war, die Metropolitana zu „Ottaviano“ zu nehmen. Allerdings war ich mir nicht hundertprozentig sicher, ob die Linie A, in die ich bei Barberini einsteigen könnte, dann auch wirklich die richtige für mich war. Ich war mir zwar ziemlich sicher (die zwei Linien verlaufen in einem X unter der Stadt und kreuzen sich bei Termini), hatte aber Angst, dann falsch zu liegen und mich zu ärgern. Die sicherste Lösung war, zu Termini zu fahren, dort noch einmal auf den Plan zu schauen und so auf Nummer sicher zu gehen. Das Blöde war nur, dass der 92er jetzt vor mir war. Zwei Stationen hatten die Busse noch gemeinsam. Ich musste an einer Station schnell nach vor laufen und wieder in den 92er hüpfen. Ich hoffte, dass er bei beiden Stationen stehen bleiben würde. Mein fliegender Wechsel gelang, bei Termini erkundigte ich mich nach der richtigen Linie und Richtung. Jetzt würde es schnell gehen. Ein Blick auf die Uhr. 0950 – ich lag ganz gut in der Zeit. Professionell zückte ich mein Monatsticket und marschierte wie eine echte Römerin durch die Schranken, während sich Touris an allen Ecken und Enden mit den Geräten plagten. Unter anderen Umständen wäre ich stehen geblieben und hätte ihnen geholfen, aber am Vortag hatte ich mir geschworen, meine Anwesenheit am Petersplatz an einem guten Platz vor alles andere zu stellen. Also lief ich die Treppen hinab. Und packte mein Leben nicht mehr. Alles war gesteckt voll. Schülergruppen, Römer, Besucher aus aller Welt und ein österreichisches Aupair-Mädchen – alle steckten sie gemeinsam fest. „Damn it! Ich hätte einfach zu Barberini fahren sollen, Termini ist ja immer ein Chaos und heute erst…“ Aber es gab kein Zurück mehr und das meine ich wortwörtlich. Hinter mir strömten immer mehr Menschen die Stufen und Rolltreppen in Richtung Bahnsteige hinunter, während nach vorne null weiterging.

Ich habe bei Gott weder Berührungsängste noch Platzangst, aber in dem Moment fühlte ich mich dann echt unwohl. Gott sei Dank ging plötzlich etwas weiter und ich konnte den nächsten Treppensatz hinter mich bringen. Unten waren noch mehr Menschen, aber glücklicherweise hatte das Personal vor Ort die Situation erstaunlich gut unter Kontrolle. Sie ließen die immer wieder Grüppchen zu den Zügen hinunter, wo wiederum Personal dafür sorgte, dass sich die Massen gut über den Bahnsteig verteilten und nicht alle dort stehen blieben, wo sie den Bahnsteig betreten hatten. Und ich musste einmal wieder einfach nur lachen. Die Situation war so irre!

Im Zug war’s nicht besser. Ich stand wirklich ungünstig da – mein Rücken war vollkommen verdreht. Aber wir hielten alle durch.

Und dann waren wir da. „Jetzt lauf ich nach vor zur Piazza!“, schoss es mir durch den Kopf. Leichter gesagt, als getan. Zuerst musst du aus der Station rauskommen und das geht bei so vielen Menschen gar nicht flott. Aber kaum war ich an der Oberfläche, rannte ich los. Aus allen Richtungen strömten Leute in Richtung Petersplatz – es war unglaublich. Die hatten es auch gar nicht eilig. Ich war die einzige, die sich beeilte, aber ich kann ja nur gewinnen. Selbst 20 Personen weniger vor mir machen schon was aus und langsam wurde ich nervös. Es war schon 1020 und Mabel, das Mädchen, mit dem ich mich treffen wollte, hatte mich schon mehrmals angerufen und mir gesagt, dass bereits viele Leute da wären.

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Um direkt auf die Piazza zu kommen, musste man durch die Sicherheitskontrollpunkte, die normalerweise Besucher des Doms passieren müssen. Kurz bevor ich unter die Kolonnaden trat, drängten sich drei Personen links neben mir vorbei. Unter anderen Umständen wäre ich vielleicht nicht so streng gewesen, aber ich hatte mir ja geschworen, dass ich heute zuerst käme. Ich wies die drei also darauf hin. Sie meinten, sie würden von hinten nach vorne gedrängt und könnten nichts dafür, was zwar nicht stimmte, aber ich sagte nur, dass es normalerweise ja nicht so dringend wäre, dass aber heute jede Person weniger vor einem wichtig wäre und lächelte. Das verstanden sie natürlich und ich bedankte mich noch einmal, bevor ich durch die Kontrolle schritt. Ich war sehr froh zu sehen, dass die Piazza erst zu etwa 2/3 voll war. Ich suchte mir einen guten Platz und rief Mabel an. Sich in einer so großen Menge zu finden, noch dazu, wenn man auf keiner Sprache einwandfrei miteinander kommunizieren kann (Mabel kommt aus Paraguay und kann nicht wirklich gut Italienisch und Englisch und mein Spanisch ist bisschen eingerostet. Noch dazu kann ich auf meinem vorsintflutlichen italienischen Handy generell nur schlecht hören, was der Anrufer sagt. PONS sei Dank: Ich hielt einfach mein knallgrünes und –blaues Grundwortschatzbuch in die Höhe und schwenkte es hin und her. Kurz bevor mir mein Arm abfiel, hatte sie mich endlich entdeckt. 1030, Mabel und ich hatten einander gefunden und einen hervorragenden Stehplatz ausgefasst. Jetzt hieß es warten – die arme Mabel war schon seit acht Uhr Früh vor Ort.

Plötzlich vernahmen wir hinter uns Rufe. „Camillaaaa! Camillaaaaaa!“ Eine Frau war auf einen der Laternenmasten geklettert und rief nach ihrem Kind, das in der Menge verloren gegangen war. Als nach ein paar Minuten Camilla noch immer verschwinden blieb, riefen Gruppen in der Menge auch nach dem Mädchen. Nach etwa 20 Minuten pfiff jemand etwa 200 Meter von uns, um zu signalisieren, dass Camilla gefunden worden war. Es war so ein Film-Moment! Alle klatschten, pfiffen und jubelten und Camilla wurde zu ihrer Mutter durchgelassen.

Um 1145 wurde DAS Fenster geöffnet. Kaum wurde die Bewegung hinter dem Fenster wahrgenommen, jubelten alle und riefen nach Francesco. Das Rednerpult und das Mikrophon wurden angebracht und 15 Minuten später trat dann endlich Papa Francesco ans Fenster und grüßte die applaudierenden und johlenden Gläubigen. Es war wunderschön!

Nach seiner tollen Predigt kam die nächste Herausforderung für uns alle: das Verlassen des Platzes.

Ganz, ganz langsam ging es voran, aber letztendlich waren wir endlich frei. Am Schluss war es dann echt schon zu viel. Ich möchte nicht wissen, wie es nach der Papstwahl war, als sich die Menge auflöste. Erschöpft machten Mabel und ich uns auf den Weg zu Giolitti mit Aussicht auf einen herrlichen Cappuccino.

Bei Piazza Navona kamen wir nicht mehr weiter, weil längs über den Platz die Marathonstrecke verlief. Alle unter euch, die an Langstreckenläufen teilnehmen wissen, wie nervig es ist, wenn Zuschauer vor einem den für die Teilnehmer abgesperrten Bereich überqueren. Normalerweise macht man so etwas ja nicht, aber als einmal echt gar keine Läufer kamen nutzten wir die Gelegenheit, um schnell auf die andere Seite zu gelangen. Schließlich mussten wir ja irgendwie hinüber.

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Bei Giolitti angekommen, ließen wir uns zufrieden an einem Tisch vor der Caffetteria nieder und tratschten über Gott und die Welt – und zwar auf Italienisch, Englisch und Spanisch. Alle, die Fremdsprachen sprechen, wissen, dass es ganz schön anstrengend sein kann, sich über einen längeren Zeitraum auf jener Fremdsprache zu unterhalten. Und auf DREI Sprachen… ihr könnt es euch vorstellen. 😉 Wir waren am Ende des Tages beide recht fertig – natürlich auch wegen des frühen Aufstehens, des Wartens auf dem Petersplatz und der Aufregung des Tages.
Später stieß noch Simone zu uns, die auch recht müde war, weil sie die ganze Nacht aus gewesen war und erst um acht Uhr Früh ins Bett gefallen war.

Die Sperre der Innenstadt für den Verkehr war allerdings eine recht angenehme Abwechslung was die Geräuschkulisse angeht. Die Stadt machte auf einmal nicht mehr so einen hektischen Eindruck. Es war eigentlich ein bisschen seltsam. Sonntag vor einer Woche war ja ein Umwelttag, an dem der gesamte private Verkehr untersagt war. Die Öffis waren unterwegs, aber abgesehen davon war ganz Rom auf dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Das hätte ich gerne erlebt, aber ich war in Florenz – auch nicht schlecht. 😉

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