Und nu‘, Franzl?

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Jorge Mario Bergoglio aka Papa Francesco. Oder soll ich sagen Obama? Ich finde ja, er befindet sich in einer ähnlichen Position, wie Obama nach dessen Erstwahl: Die Erwartungen an den frischgeschlüpften Papst sind extrem hoch. Heute auf dem Peterplatz habe ich etwa Schriftzüge wie „Francesco, du bist der Frühling der Kirche“ und „Francesco wird mein Haus reparieren“ lesen können.

Egal ob man katholisch ist, oder nicht, die Papstwahl ist für die gesamte Welt bedeutend. Der Papst ist das einzige Oberhaupt, das über Landesgrenzen hinweg ein Vorbild sein soll und noch viel mehr ist, als nur ein Staatsoberhaupt. Il jefe eines kleinen netten Fleckchens Erde mit herrlichen Gärten, einer unfassbaren Sammlung im staatseigenen Museum und einer der eindrucksvollsten Kirchen der Welt inmitten einer der geschichtsträchtigsten Städte derselben Welt zu sein klingt ja nett. Aber was muss ein Papst für eine Last tragen! Macht, Wein und reichverzierte Tische, die sich unter dem Gewicht der Delikatessen durchbiegen, waren früher. Damals wurde die Institution Kirche nicht infrage gestellt und wer den Mut dazu hatte, war letztendlich arm dran. Heute wird sie nicht nur infrage gestellt, sondern, wie eine Zwiebel, gründlich all ihrer Schichten entledigt und das Herz – der Papst – unters Mikroskop gelegt.

Was sich zwischen den Schichten verbirgt, ist schockierend. Hier hat sich Pädophilie eingeschlichen, hier Homosexualität, die doch sonst so verpönt ist, dort Missachtung des Zölibats – oh Schreck! Ist das, was uns hier blendet, wirklich Gottes Herrlichkeit oder etwa der Kirche Scheinheiligkeit? (Also ich weiß nicht, was euch so blendet. Ich kann euch sagen, was mich derzeit hier leider NICHT blendet: die Sonne. Aber das ist eine andere Geschichte. 😉 )

Eines der größten Probleme der Kirche ist in meinen Augen, dass sie sich selbst oft als „rein“ und für ihre Begriffe perfekt präsentiert. Christen müssen nach diesem und jenem Schema funktionieren, sonst haben sie keinen Platz in der Gemeinschaft. Aber halt: Liebt Gott nicht all seine Kinder?
Und Bergoglio hat sich laut eines Artikels auf Stern.de besonders der Unterstützung sozial Schwacher verschrieben. Sozial geschwächt sind aber auch die, die wegen ihrer geschlechtlichen Präferenzen benachteiligt werden. Zwickmühlchen, Herr Kollege!

Ich bin echt gespannt, welche Linie Bergoglio jetzt fahren wird. Wird er erkennen, dass der Tunnelblick, an dem die katholische Kirche festhält, ihr zum Verhängnis wird? Die Welt verändert sich und wer weiter in ihr existieren können möchte, muss sich anpassen – die Evolution ist dafür das beste Beispiel. Die Kirche ist davon nicht ausgeschlossen.

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